Pressestimmen
NÜRNBERGER NACHRICHTEN, 15. Oktober 2004 Wiederhören
mit alten Weggefährten „Papa Caliente“ wird 20. Inzwischen heißt die angesagte Latinband der 80er Jahre „Papa Skaliente“ und konzentriert sich vor allem auf jazzigen Ska und Reggae. Mit 20 Musikern, die allesamt seit der Urbesetzung bis zur aktuellen Formation dabei waren, feiert die Band heute Abend ab 20 Uhr in der Nürnberger Tafelhalle. Wenn der Saxophonist Achim Goettert und seine Mittäter heiße Rhythmen und Bläsersätze aus dem lateinamerikanischen Hexenkessel in Bewegung bringen, werden selbst Dauergrantler zu Partyhaien. Seit einem Jahr ist die Stilpalette noch bunter geworden: Als „Papa Skaliente“ spielt die nun um Sänger Poppa Double U erweiterte, etwas andere Dancefloor-Band auch Ska — und Songs von den berühmten „Skatalites“ oder dem „New York Skajazz Ensemble“. Denn selbst wenn die Tanzbarkeit der gecoverten und auch eigenen Songs im Vordergrund steht: Jazz als komplexe Improvisationskunst spielt eine durchaus charakteristische Nebenrolle beim neuen Soundgemisch. Das kann man bald auch als Konserve genießen: Auf der brandneuen Scheibe „Skajazz“, die möglichst schon zum großen Bandjubiläumsfest auf dem fränkischen Label „Bibi Africa“ erscheinen soll. Bei der Party gibt es dann auch ein fröhliches Wiederhören mit den 20 Bandmitgliedern, die von Gründungstagen an mitgespielt haben. Etwa mit dem Kölner Schlagzeuger Klaus Mages, bekannt mit den „Pata Masters“. Oder mit dem Berliner Trompeter und Sänger Martin Klingeberg, der an der „Schaubühne“ Karriere gemacht hat. Mit dem Nürnberger Gitarristen Hans Grasser oder mit dem Münchner Italiener Roberto Mandruzzato, dessen Posaune ebenfalls zur allerersten Stunde von „Papa Caliente“ schon im Einsatz war. Die besten Songs aus 20 Jahren Bandgeschichte stehen auf dem Programm: Von Tito Puente, Dizzy Gillespie, Thelonious Monk oder Marty Sheller, Mario Bauza und Cal Tjader. So hat man die wohl einmalige Gelegenheit, die „alte“ und die „neue“ Truppe um Achim Goettert, den rührigen Musiker, Wahl-Zirndorfer, Galeristen und künstlerischen Leiter der inzwischen eingestellten „Gostenhofer Jazztage“, an einem Konzertabend zu hören. Übrigens: Aus dem Spanischen übersetzt heißt „Papa Caliente“ soviel wie „heißes Pommes Frite“, in der Slangsprache meint man damit auch „schnurz und schnuppe“. Na, da kann man ja schon mal die Knie ölen — für die nächsten 20 Jahre. . . Anja Barkhausen |
| NÜRNBERGER ZEITUNG, 15. Oktober 2004 . Zwanzig - das ist für einen gestandenen Papa kein Alter. Für Papa CalientePapa Caliente feiert seinen 20. Geburtstag schon, denn es handelt sich um eine Jazzband mit Schwerpunkt Latin und Salsa. Saxophonist Achim Goettert, einer der Initiatoren und außer dem Bassisten Harald Weigel der Einzige aus der ursprünglichen Formation, betont, dass „wir unsere Musik zwar weiterentwickelt haben, aber die Basis bestehen bleibt“. Seit zwei Jahren spielen die Musiker (wahlweise Quartett oder Septett) auch Ska (Papa Skaliente), was aber der ursprünglichen Intention keinen Abbruch tut: „Wir wollten“, sagt Goettert, „schon immer ein tanzbares Jazz-Programm bieten.“ Ska, diese karibische Art von Tanzmusik, sei da nur eine logische Ergänzung. Dass man die Formation nicht gerade oft öffentlich zu Gehör bekommt, liegt nicht an mangelnder Spielfreudigkeit, sondern an zu wenigen Angeboten. Und daran, dass Jazz im öffentlichen Bewusstsein halt immer schlechtere Karten hat. Ein Problem des Jazz sei das zunehmende Alter, sowohl des Publikums als auch der Musiker. „Was nachkommt, hat kein Charisma“, bringt Goettert das Problem auf den Punkt — wie allerdings junge Musiker ohne öffentliche Auftrittsmöglichkeiten zu Charisma kommen sollen, weiß auch er nicht. „Leichtfertig und verantwortungslos“ nennt Goettert den Umgang der Stadt Nürnberg mit dem Festival „Jazz Ost West“: Das sei ein „sträflicher Verzicht auf die internationale Ausstrahlung der Stadt“. Zu den Gostenhofer Jazztagen, deren künstlerische Leitung er einst hatte, sagt er: „Wenn man mit immer weniger Geld die Qualität halten soll, ist das irgendwann nicht mehr möglich.“ Und er gibt zu, kein kalt kalkulierender Kulturmanager zu sein, sondern auf die Umstände, unter denen die Musiker auftreten müssen, zu achten. Schließlich will er, der Musiker, nicht unter seinen eigenen Ansprüchen bleiben. Heute also wird Papa Calientes Geburtstag mit flotten und durchaus tanzbaren Rhythmen und etlichen Musiker-Gästen gefeiert. Die CD, die zu diesem Jubiläum herauskommen sollte, wird nicht ganz fertig sein - da gibt es Probleme mit dem Cover. Wer sich trotzdem einen Eindruck von dieser Band verschaffen will, kann das im Internet unter www.act.art tun. Dort gibt es auch Hörbeispiele. Friedrich G. Stern
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